Mittwoch, 14. Dezember 2011

Schlaflos durch den Advent

Heute schreibe ich aus der Nacht direkt in diesen Blog. Der Mond und ich wir sind noch wach.

Die Lichter im Haus gegenüber sind meine heimlichen Adventfenster. Nicht das ich die Leute so spannend finde, doch jede Nacht in der ich nicht schlafen kann begleitet mich das eine oder andere Fenster, fast als ob sie mich nicht alleine lassen möchten.

Heute bin ich besonders erschöpft.
Alle, wirklich alle die ich gefragt habe wie es ihnen geht haben mir erzählt wir anstrengend es im Moment ist und wie stressig. Es ist fast so, als ab ich von jedem ein Stück seines Alltags bekommen hätte , direkt in meine Gedanken, in mein Herz.

Ich werde nachdenklich, versuche mir vorzustellen, daß das Leben der anderen geprägt ist von hin herfahren, Besorgungen machen, Meetings halten, Essen kaufen, Kinder betreuen, Haushalt machen. Mein ganzer Tag hat sich heute darum gedreht, daß ich von 7.30 bis 22.00 in der Goldschmiede war.

Ich habe zwei Goldschmiedekurse gegeben, eine Kette und einen Ring verkauft. Drei Aufträge fertig gestellt, Nudeln mit Spinat und Käse gekocht und gegessen, Jörgs Geschenk bearbeitet, zwei Mails geschrieben und einen Blog. Dann waren dann noch ein paar Kunden mit Fragen, Reparaturen usw.
Und trotzdem kommt es mir so vor als hätte ich als letzter Mensch auf diesem Erdball das Recht gestresst zu sein. ( Wobei das Recht aus Stress wohl echter Quatsch ist doch mir fällt im Moment keine bessere Beschreibung ein).

Schließlich habe ich mir das genau so ausgesucht. Jeder hat sein Leben und sein Glück selbst in der Hand. Ist es nicht so? Gilt das grenzenlos ?. Ja ich habe es mir so ausgesucht, ich habe einen tollen Beruf, eine tollen laden und sonst auch alles einfach in Toll.

Trotzdem bin ich heute gestresst, ich habe Angst davor , daß nicht alle Dinge fertig werden bevor es Weihnachten ist, daß ich nicht alle Geschenke kaufen kann, bzw. basteln.

Heute habe ich Angst, daß es sich genauso an fühlt, im neuen Jahr.

Die letzten Tage waren eine schwere Zeit für mich, innen und außen und es gibt einen Menschen der macht mir genau das, keine Zeit für das Kümmern zum Vorwurf.

Das trifft mich so tief das ich nicht mehr schlafe, viel zu viel esse, mich zerreißen möchte den Menschen in meinem Umfeld so viel zuhöre wie ich kann und mich bei all dem völlig selbst vergesse.

Das muß nun endlich, jetzt, und nicht erst im neuen Jahr aufhören.
Ich bin müde, ich kann nicht mehr, ich möchte jetzt schlafen. Ab heute werde ich für dieses Jahr nur noch ganz wenig schreiben.

Auch das gehörte für mich die letzte Zeit dazu, immer mitfühlend und primafreund zu sein.

Passt auf Euch auf die nächsten Tage
Alles Liebe Martina

Ps: Ich habe passend heute morgen noch das gelesen:

Wenn es nur einmal so ganz stille wäre.

Wenn das Zufällige und Ungefähre

verstummt und das nachbarliche Lachen,

wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,

mich nicht so sehr verhinderte am Wachen - :

Dann könnte ich in einem tausendfachen

Gedanken bis an deinen Rand dich denken

und dich besitzen ( nur ein Lächeln lang)

um dich an alles Leben zu verschenken

wie einen Dank.

Rainer Maria Rilke

Kommentare:

  1. Ich verstehe dich sehr sehr gut.

    Liebe Martina,
    mach langsam (soweit es geht),
    denke an DICH
    und genieße noch ein bisschen die Zeit
    (das ist sicherlich schwierig).

    Ich wünsche dir,
    dass du trotzdem
    (auch wenn du langsamer machst
    und auch mal an dich denkst)
    deine Arbeiten erledigen kannst.

    Du bist so ein lieber, netter Mensch
    (durfte dich ja schon kennen lernen)!!!

    Sei gesegnet,
    Biene

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  2. Es gibt ein großes und doch ganz alltägliches Geheimnis.
    Alle Menschen haben daran teil, jeder kennt es, aber die
    wenigsten denken je darüber nach. Die meisten Leute nehmen
    es einfach so hin und wundern sich kein bißchen darüber.
    Dieses Geheimnis ist die Zeit...

    (Michael Ende)

    Du denkst sehr viel darüber nach!

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  3. Liebe Martina, sein geduldig mit Dir...
    GlG Ralf.

    Warten können ist eine Kunst.
    Bis Müde Kraft haben.
    Bis Sprachlose Worte finden.
    Bis Mutlose Selbstvertrauen haben.
    Bis Streitende sich versöhnen.
    Bis Selbstgerechte einsichtig werden.
    Bis Irrende umkehren.
    Bis Suchende den Weg finden.
    Bis Fremde sich vertrauen.
    Bis Unglückliche glücklich werden.
    Bis Traurige wieder lachen können.
    Bis Verzweifelte Hoffnung schöpfen.
    Warten können ist eine Kunst.
    - Udo Hahn -

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