Mittwoch, 6. November 2019

Welches Glück ist nun das was einen glücklich macht?

Vor viele Jahren hat mir eine Bekannte mal eine Feder geschenkt und gemeint ich solle auf sie aufpassen. Sie war das Symbol für Leichtigkeit , diese Feder auf einer flachen Schale. Viele viele Jahre stand diese Schale auf dem Fensterbrett im Büro meiner Goldschmiede in Ludwigsburg.
Niemals durfte etwas darauf liegen oder die Feder beschweren, das Fenster nur gekippt und nicht ganz geöffnet weil sie sonst wegfliegen könnte. Ich habe diese Leichtigkeit wie mein Leben behütet.

Heute kann ich mich nicht erinnern wohin sie gekommen ist. Die Feder und eine ganze Zeit auch die Leichtigkeit. Mit dem Umzug war sie plötzlich verschwunden und bis heute weiß ich nicht so recht was damit passiert ist. Glücklos, Leichtigkeitslos, unerklärlich und unwiderruflich verloren dachte ich.

Nach einer langen Saison, in der man als Inselbewohner nicht so oft an den Strand kommt wie mache denken, nehme ich mir nun die Freiheit genau das zu tun was sich gut anfühlt für mich.  Ich arbeite in der Goldschmiede und danach mache ich einen Spaziergang am Stand.
Hier begegnen mir so viele Federn. So viel Leichtigkeit. Soviel Glück das zum greifen nah bereit liegt. Ich muss mich nur bücken und doch reicht es mir zu wissen das sie da sind. Der Strand ist meine  Schale von früher, ein Hort meine sichtbaren Leichtigkeit.

Auf diesen Spaziergängen kommt mit jeder Welle die Kraft, Kreativität und Liebe zu mir selbst zurück. All diese Dinge die man oberflächlich gesehen als Leichtigkeit im Leben wahrnimmt. Ich bedenke jede Feder die mir begegnet mit einem Lächeln und einem Gedanken und sehe voller Dankbarkeit hin.  Auf das Meer, auf das Leben auf mein Zuhause.

Noch nie war ich irgendwo mehr zuhause wie hier am Meer.
Ich habe wirklich so gern in Ludwigsburg gelebt und ja ich habe auch etwas schwäbisches hier nach Ostfriesland gebracht.  Käsespätzle zum Beispiel...
und doch Danke danke danke ich bin Zuhause... endlich.

Seit sich das für mich so echt und ganz ganz innen anfühlt ist es ruhiger geworden. Ich schreibe hier weniger. Es ist ok Gefühle und Gedanken nicht sofort teilen zu müssen. Es ist richtiger den je es nur dann zu tun wenn ich Lust darauf habe und nicht weil ich denke das es mich zugehöriger zu irgendetwas, irgendwem macht.
Früher war das tatsächlich manchmal so... aus heutiger Sicht irgendwie schräg damals aber auch eine Realität in der ich mich wiedererkannt habe.

Mein Leben ist seit ich hier bin sicher viel unspannender, ruhiger und sehr viel mehr ich als es das jemals war. Die Goldschmiede ist ein so sehr von mir geliebter Ort. Ich freu mich jeden Tag.

Die vielen schweren Entscheidungen die ich getroffen habe, die mich fast um den Verstand gebracht haben und an den Rande meiner Selbst sind nicht vergessen aber ich habe mich aufgemacht um das Gute das das Leben mir bietet zu ergreifen und zu behüten.

So stehe ich nun hier, lasse mich tragen von den Gezeiten und den Strukturen die diese Insel mit sich bringt. Arbeite an wunderschönen Dingen, lese, fühle und bin sehr glücklich wie es ist.
Ich habe aufgehört mich ständig zu hinterfragen oder andere nicht zu hinterfragen. Der Wind macht den Kopf frei sagt man und ja Wind haben wir hier genug.


Ich wünsche euch das ihr das Glück das in euch liegt seht, das ihr es als das begreift was es ist.  Ein Teil von euch das in euch ist, zu jeder Zeit. Ja auch in denen die garnicht nach Glück aussehen. Es ist immer da. Und damit meine ich nicht dieses irre Grinseglück bei dem einen alle für verrückt und abgedreht halten. Sondern das Glück das einen ruhig und zuversichtlich macht. Das Glück das einen sich selbst wahrnehmen lässt.

Ich sende euch Grüße vom Meer
Alles Liebe Martina






 

Freitag, 29. März 2019

Das kleine Stück vom Glück beginnt in mir.

Obwohl das Leben hier im Winter nicht aufhört, kehrt es die Tage  geballt mit voller Schönheit zurück. Der Frühling auf Langeoog ist erfüllt von den Möwen, die die noch kalte Luft mit ihren Schreien zerschneiden und dem Staunen über die Enten, die nun wieder vor der Tür der Backstube auf die besten Körner warten. Wo überwintern Enten und wieso sind Möwen im Winter still?
Der Klang des Meeres war für mich früher untrennbar mit dem Geschrei  eben dieser Möwen verbunden.
Ich habe hier erst gelernt das es still sein kann am Meer. Sehr leise und ruhig trotz oder gerade wegen dem rauschen des Meeres.
 Dann wird es Zeit das es auch in einem selber still werden darf. So sehr wie ich diese Zeit ersehnt und gebraucht habe, so sehr freue ich mich auch, über das Surren und Flirren das der baldige Frühling mit sich bringt.
Hier im Dorf wird fleißig geputzt, gestrichen und geschraubt. Langeoog erwacht aus einem Dornröschenschlaf und zieht sein schönstes Frühlingsgewand an.
Das Meer ist dieser Tage ruhig. Mit der Gleichmut und der Weisheit um das Wissen der Welt spült Welle um Welle an den Strand, nimmt träge Gedanken mit sich. Ich genieße dieses Ewig gleiche in zwischen all dem Geschäftigen und Neubeginnen dem hier sehr.
Trage auch ich jeden Tag ein kleinen Neubeginn in mir der an meiner Werkbank zu Schmuck wird.
Die Poesie dieses Ortes war schon immer Teil meiner Selbst und meines Schmuckes und wird es dieser Tage noch immer mehr.
Ich freue mich über das kleine Glück, den Austerfischer der täglich auf dem Dach gegenüber lauthals den Frühling oder seine Angebetete oder beide begrüßt. Die Knospen am Sanddorn vor der Haustür.
Ich halte  einen Aquamarin in der Hand und mit einem Herz voller Liebe zu kleinem Dingen mache ich eine Ring daraus. Einen und nicht zehn. Nur den, der wirklich zum Aquamarin passt und keine zehn die noch ok wären.
Das habe ich hier auf Langeoog gelernt und tue es jeden Tag. Das Glück liegt im Kleinen, liegt in einem selber und niemals in einer Großartigkeit oder gar in einem anderen Menschen.
Das alles kommt dann, so merkwürdig sich das anhört als Bonus obendrauf wenn man es zulässt, dieses kleine unscheinbare Glück in einem selber.
Dann wird auch aus dem kleinen Glück in Summe ein Großes.

Ich sende euch ruhig surrende unbeirrbare Meergrüße und hoffe wir sehen und einmal an diesem wundervollen Ort für dessen Schönheit es eigentlich keine Worte gibt.
Passt auf euch auf.

Alles Liebe Martina














Sonntag, 9. Dezember 2018

Das erste Mal...

Heute morgen habe ich meinen Facebook Account geöffnet und mir ist eine Erinnerung angezeigt worden. "Sicher erinnerst du dich gern an dieses Bild vor zwei Jahren."
Zu sehen war ein Esstisch, Kerzen, ein Tannenbäumchen in einem Topf auf dem Tisch.
Ich kann mich noch genau erinnern, wann ich dieses Foto gemacht habe. Schnell in Hektik, zwischen dem Essen und noch schnell Wäsche waschen, die Arbeit in der Goldschmiede noch nichtmal ansatzweise geschafft, meinen Kindern noch nicht gesagt das ich sie über alles liebe.
Wiedermal nicht genug.
Irgendwo zwischen dem Leben das ich wollte und dem Leben das ich hatte.
Ich war dauermüde, dauergestresst und dauerunfair.

Heute zwei Jahre später ist das Leben so anders, dass es eine lange Weile dauerte bis ich verstand, dass es mein Eigenes ist.
Ich habe ein Leben verloren um meines zu retten... und ich bin nun hier am Meer.

Diese Tage vor Weihnachten sind so ruhig und so voller Zauber.
Die Insel ist fast menschenleer. Die Goldschmiede ist geschlossen und ich tue Dinge die mich heilen.
Ich gehe spazieren, lang und oft und immer am Meer. Das Meer das sich dieser Tage in das schönste grau gekleidet hat das man sich als Meer aussuchen kann.  Die Geräusche sind magisch.
Es wird mir nicht langweilig das jeden Tag aufs Neue zu bewundern.

Ich trinke Tee, gern bei Kerzenschein und ich tue Dinge die man so macht im Advent.
Ich backe Plätzchen und dekoriere die neue Welt als käme der Advent das erste Mal über mich.

Seit elf Jahren das erst mal das ich in dieser Zeit keine Ausstellung mache, in der ich nicht nachts in der Werkstatt bin und für Menschen Geschenke herstelle während ich selber nicht ansatzweise etwas mit Zeit und Geduld ausgesucht habe.

Doch die Rettung meiner Selbst hat auch einen Preis. Ich vermisse. Das Vermissen war seit jeher ein stiller Begleiter meines Lebens.  Ich habe niemals Dinge vermisst, oft Menschen meistens Gefühle und so vermisse ich auch heute.
Meine Kinder in einem Maß in dem es keine Worte gibt, manchmal den Duft von Wald.

Der Herzschlag des Vermissen in mir, passt an keinem Ort besser als an diesem.

Ich werde übermorgen einen Weihnachtsbaum kaufen. Ein Baum macht zwar noch keinen Wald. Doch ich habe gelernt das es nicht nötig ist das perfekte Gefühl zu erzeugen. Der Duft von Tanne ist ein in meinem Herz ein Wald.  Das allein macht es gut.
Meine Kinder kommen in den nächsten Tagen nach Langeoog das ist das Beste.
Und so geht dieses Jahr zu Ende mit einem guten Gefühl und ich hoffe das ich mich in zwei Jahren gern an diese Momente erinnere auch wenn ich keine Fotos mache und auch wenn Facebook nicht erfährt wie still und glücklich ich in diesen Tagen bin.

Macht es euch schön und bleibt bei euch. Das ist das größte Geschenk denke ich.

Bis bald  Alles Liebe Martina











Montag, 16. Juli 2018

Leben in der Sanduhr

Es ist Sommer geworden auf Langeoog. Ein wunderschöner sonniger warmer Sommer der unserer Natur in seiner Schönheit und Regenlosigkeit einiges abverlangt. 
Ich genieße die Wege, mit dem Rock auf dem Rad zur Arbeit oder zum Strand. Zweiteres viel zu selten, doch hier ist ja überall irgendwie Sand und Sommer und der Geschmack von Meer.
Die Tage gleichen sich in ihrer Fülle an Arbeit, an Gästen, an Sonne und sonnenbrauner Haut.

Jeden Morgen nachdem ich die Ladentür aufgeschlossen habe, fege ich den Sand vor die Tür. 
Der Sand der hier so allgegenwärtig ist. Genau der Sand, den viele liebe Menschen mit Goldschmiedekursen und Anfragen, Aufträgen und Wünschen in meinem Laden getragen haben. 
Es ist ein ewiges Spiel. Der Sand vom Strand landet in meinem Laden... und ich fege ihn vor die Tür. Der Wind trägt ihn zurück zum Strand. Das Prinzip einer Sanduhr, einer ziemlich großen Sanduhr. 

Der Lauf der Zeit ist hier auf Langeoog  oftmals viel greifbarer und offensichtlicher als es mir je an einem anderen Ort aufgefallen wäre. Er wird vom Takt der Natur bestimmt.

Zeit ist hier nicht die, die nicht reicht oder diejenige die immer zu kurz ist. Zeit ist hier die Anzahl der Urlaubstage die Menschen hier bei uns verbringen. 

Ich frage mich oft, was bleibt von uns wenn unsere Zeit hier um ist? Ist es ein Fußabdruck am Strand oder der Ehering der ein halbes Leben mit einem bestritten hat?  Ein Foto von einem Sommerurlaub? 

Sind es Dinge oder sind es feine Fäden der Liebe, die am Ende des Tages eine Erinnerung hinterlassen. 
Wir alle möchten, daß etwas Positives von uns bleibt.  Etwas einzigartiges und ein Gefühl, ein Gedanke, angefüllt ist mit Liebe und Gutem. 

Wenn man sich die Verschmutzung der Meere, die Hinterlassenschaften von Atomkraftwerken und Tagebau ansieht, kann man daran zweifeln, dass wir Menschen etwas Gutes hinterlassen. 
Doch dann steht eine Frau bei mir im Laden, legt mir still und leise den Ehering ihres Mannes auf den Tisch.  Sie möchte ihn Tragen um einen Teil ihres Mannes sichtbar bei sich zu haben.

Es rührt mich zutiefst. Dieses Gefühl jemanden bei sich haben zu wollen. Weil er einem Gut tut weil man voller Liebe an ihn denkt, weil er einem durch den Tag hilft… weil man liebt.

… und so fängt es im Kleinen an, dass wir winzige Dinge, nicht größer wie Sandkörner bewegen, zu guten Taten werden lassen. Ein Lächeln, eine Umarmung und es zu etwas großem wächst. 

Mein Sand im Laden wird eine Düne,  diese schützt die Insel. Was bleibt bestimmen wir selbst. 

Wir selbst tragen den Sand in uns den wir verteilen und zu Dünen werden lassen. Ob gut oder schlecht bestimmen wir selbst. 

Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit, feinen Sand den ihr unter euren Füssen spürt und eine Hand die eure hält. 

Alles Liebe Martina 










Dienstag, 27. Februar 2018

Eine neue Bemessungsgrundlage

Ich sitze gerade am Flughafen in Stuttgart und warte auf meinem Flug nach Bremen. Bald zuhause. bald in meinem Zuhause am Meer. Ich habe Heimweh. Endlich habe ich einen Namen für dieses Gefühl. Heimweh gibts nur wenn du auch eine Heimat hast.
Wow fühlt sich das also so an.     Heimat... macht warm und satt und wohlig.

Die letzten Tage waren so emotional das ich diese Heimat tatsächlich ersehne.
Ich habe den Laden in Ludwigsburg leergeräumt und an meine Vermieterin zurückgegeben. Mein Nachmieter hat alles neu ausgemessen.
Überhaupt wird mir bewusst, wie wir alles in Maße quetschen. Ich meine Habseligkeiten in Kisten und die Wiederrum in einen Laster.
Alles schön auf den Kubikmeter vermessen das es auch passt.
Wir messen gern und viel und ständig, Kleidergröße, Schuh und Ringgröße.  Maße helfen uns durch diese Welt, die so oft in kein Maßstab zu passen scheint.

Wir bemessen Menschen an guten Taten und Erfolgen. Eine Lebensspanne wird in Tagen und Jahren bemessen. Am Ende ist jedes Maß doch zu klein, um das Wunder des Lebens zu fassen und die Verwicklungen in Zoll und Meter zu klären.
Auf Heller und Pfennig rechnen wir Ansprüche und Erträge, doch bleibt am Ende meist das Gefühl, dass wir unfair behandelt wurden oder es nicht mit rechten Dingen zu ging. Auch Recht und Gesetz sind Maße für Anstand und Benehmen, für Verhalten und Fehlverhalten.


Doch geht es im Herzen und im Eigentlichen sowieso um das, was wir nicht messen können. Um den Raum dazwischen, den Zwischenraum- das Zwischenmenschliche.
Es ist nicht in einer Maßeinheit greifbar. Dabei geht es um das sich einlassen, sich trauen, glauben und mutig sein.

Im zwischenmenschlichen Raum liegt es an uns, was wir daraus machen. Jeder für sich kann entscheiden, mit was er diesen misst oder sogar selber füllt.
Die Befüllmenge erstreckt sich von  Hass, Liebe, Vertrauen, von Wärme bis Angst... die Bandbreite ist geradezu maßlos. Doch ich glaube, das genau nennt man Leben.
Ich mache mich nun auf nach Langeoog, ein paar Quadratkilometer Insel, Heimat. Dafür bin ich über alle Maßen dankbar.
Ich war wirklich gern in Ludwigsburg und auch diese Tage, diese zehn Jahre werden für immer in meinem Herzen bleiben.
Ludwigsburg meine bunte, grüne, wunderschöne Stadt. Ich danke dir das du mir gezeigt hast das Butterbrezeln auch an der knusprigen Stelle schmecken und das die Kehrwoche nicht immer (aber meist) großer Mist ist.
Ich danke dir für Kinoabende und Marktbesuche, für eine Million Milchkaffes und dafür das ich die Räume zwischen Menschen mit Liebe füllen durfte.
Nun aber ist es Zeit für mich neue Zwischenräume zu füllen, neue Fußspuren zu hinterlassen die dann irgendwann zu bemessen sind.

Ich wünsche euch, dass ihr eure Lebensräume mit der Ruhe und Ausdauer und Kraft bemesst. Die Räume zwischen Menschen mit Liebe statt mit Hass füllt. Das ihr euch nicht an dem messt, was für andere eine lebenswertes Maß der Dinge ist, sondern das ihr wagt eigene Wege zu gehen. Setzt neue Maßstäbe - eure Maßstäbe.

Ich werde euch schreiben in dem Wissen das wir uns wiedersehen.
Alles Liebe Martina




Sonntag, 26. November 2017

der Rote Faden ...

Schon seit ein paar Jahren gehört es für mich dazu am Ende des Jahres meine Gedanken in Form eines Weihnachtsbriefes zu ordnen.


Doch in keinem Jahr ist es mir so schwer gefallen all die Gedanken und Gefühle zu sortieren . 
Unsere Welt ist schon ein verrückter Ort. An soviel Stellen so wunderschön, dass man nur wenige Worte findet um die Sinnlichkeit und Eleganz auszudrücken mit der sie uns jeden Tag beschenkt.
Ihr kennt mich das Meer ist für mich dieser Ort, bei Sonne und Sturm. 

Und dann gibt es Orte, die sind so schrecklich. Nicht zuletzt zerstört durch die Hand des Menschen, dass wir nur allzu gern stumm und blind wären, um nicht zu ertragen was wir nicht verstehen. 

Dieses Jahr hätte der Kontrast nicht größer sein können. 
Während ich nicht entscheiden konnte welches Eis das leckerste ist, sind Kinder im Sudan verhungert und  während ich am Meer den Sonnenuntergang angesehen habe, sind ein paar Seemeilen weiter, Menschen im Mittelmeer ertrunken. Leichtigkeit und Schwere so geballt , nicht zuletzt durch die Komprimierung in immer schnelleren, kürzeren Nachrichten auf allen sozialen Medien. Man wundert sich noch über Schwarzen Blog in Hamburg während man schon das Pandavideo auch Facebook anklickt.

Das Leben ist einer Knäuel aus roten Fäden mit 100 möglichen Enden.
Der zweite Ring den ich als Goldschmied jemals verkauft habe war ein Ring auf dem  stand "mein roter Faden ist bunt." Das ist nun schon zehn Jahre her.

Und ja mein Roter Faden ist tatsächlich auch heute noch bunt, rot  und gelb wie die ersten Tulpen und hellblau wie Sommerhimmel und beige wie der Sand in meiner Jackentasche  aber  auch ganz manchmal dunkelblau bis schwarz. 


Mein ganz persönlicher roter Faden ist ist in diesem Jahr auf eine harte Probe gestellt worden. Zu lange gespannt an einigen Stellen zu dünn und irgendwann zerrissen. 

Ich habe lange heimlich Knoten und Schleifen gebunden versucht das es möglichst unauffällig bleibt und irgendwann stand ich vor einem Knäul voller geflickter Stellen. Verfiltzt und nicht mehr zu entwirren. 

Ich bin 26 mal zwischen Ludwigsburg und Langeoog gependelt. 19500 km zwischen zwei oder besser in zwei Leben...

Ich habe zu viel gearbeitet, meist noch im Flieger oder auf der Autobahnraststätte. Zu selten die Poesie auf den Werktisch gebracht. 
Ich habe zu wenig gegessen und aufgehört zu lesen. Ich habe aufgehört die Sterne zu beobachten. 
Ich habe mich getrennt. 
Das Leben ist wirklich an manchen Tagen ein schwarzer Faden. 

Ich bin wach geworden an Orten an denen ich nicht wusste wo ich bin. Ludwigsburg, Langeoog, der Bahn?

Und doch ich habe sie nicht verloren. die Kraft die Liebe und die Hoffnung und meine persönliche positive Sicht auf diese Welt. 

Ich werde die Hofgoldschmiede in Ludwigsburg zum 1.2. schließen. Eine Entscheidung aus Ehrlichkeit zu mir selber, aus ganz Innen, aus Addition aus Vielem.

Es waren zehn wirklich wunderschöne Jahre und ich bin mehr als dankbar für jeden einzelnen Tag. 
Ich bin froh über den Faden den all meine Kunden, die oft zu Freunden geworden sind, in mein Herz gesponnen haben. Das ist ein warmer Schutz an kalten Tagen. 
Es gibt noch tausend Worte die ich in Dankbarkeit schreiben könnte. Ihr könntet tagelang lesen.  Doch würde keines mehr ausdrücken als dieses unendlich ehrliche tiefe Danke.

Nun blicke ich in die Zukunft. Für ein Leben am Meer für ein Leben mit den Menschen am Meer und auch mit einem Menschen am Meer. Die Liebe hört niemals auf. 

Es wird in Ludwigsburg eine letzte Adventsausstellung geben und im Februar ein Abschiedsfest und Flohmarkt. 

Jedem Ende wohnt ein Anfang,  wohnt ein Zauber inne. 

Es würde mich freuen wenn ihr vorbeischaut. 
Ich umarme Euch und sende euch Grüße vom Meer.
Bis bald da bin ich sicher. 

Alles Liebe Martina


 








Freitag, 27. Oktober 2017

Wenn alles gesagt ist bleibt immer das Meer

Mittlerweile ist es Oktober geworden.
Der Tag hat heute mit Sturm begonnen. Es wird wohl einer von vielen. Ich merke wie ich mir diese friesiche Gelassenheit ins Gemüt rieseln lasse und es annehme wie es ist.  Das Wetter kannst du nicht ändern und der Rest wird sich finden.
Ich fahre in die Goldschmiede. Auch im schlimmsten Sturm sitzt man  auf dem Fahrrad.. machen ja alle hier so...
Ich fahre durch Straßen auf denen ich nun schon so monatelang gefahren bin und doch ist es jeden Tag neu.
So ist das also mitten in diesem Lebenstraum zu leben.   Wege zu gehen und dazu beizutragen, dass die Furchen rechts und links etwas tiefer werden weil man ebend jeden Tag diesen Weg nimmt.  Teil werden.
Teil werden von einem Ort an dem man normalerweise Urlaub macht.
Dieses Klischee vom Urlauben und Arbeiten... haben wir alle schon gehört. Und ja noch so einer ganzen Saison sitze ich hier mit Sturm im Herzen und vor der Tür und ziehe den Hut vor den Insulanern. Ihr haltet aus.
Ihr arbeitet hart und lasst es euch nicht anmerken das ihr auch mal müde seid. Ihr erklärt Fragen über das Leben hier und welche Fähre am liebsten wann fährt. Man wird nicht müde sich über das Meer zu freuen und vor Möwen die das Eis klauen zu warnen. Man geht die selben Wege jeden Tag und wird so ganz leise still und heimlich Teil des Ganzen. Teil dieser Insel. Das Meer wird Freund und der Sand in deinen Taschen dein stiller unaufgeregter Begleiter.

Das macht es eben aus, dieses Urlaubsgefühl das Leben am Meer. Das allerdings auch dieses Ankommen einen Preis hat, dass spricht sich leise gegen den Wind immer noch atmen beraubenden  Schönheit hier.

Dann gibt es sie die Momente da  tobt der Sturm  in mir.
Es gab viel Umbruch, viel Ankommen viel loslassen. Manches mal zuviel um es zu ertragen.  Aber auch das ist Leben, Sturm aushalten und bemerken das es irgendwann besser wird der Himmel aufklart und der Tag einfach von neu beginnt.
Und ich gehe ans Meer und weiß ich muss mich ausruhen. Ausruhen von dem immer da sein, ausruhen vom immer gute Laue haben, ausruhen vom Geben und ausruhen vom immer Sonne hinter Wolken sehen. Das Meer ist ein zuverlässiger Begleiter in solchen Dingen.  Hier darf das sein. Hier an diesem Ort ist es ok wenn die Sonne nicht sofort hervor geredet werden kann. Das ist auch ankommen. Annehmen dürfen und sein dürfen und sein lassen. 
Das Meer zeigt sich die Tage in allen Schichten aus grau und es zeigt dir das das grau auch mal eine ganz schöne Farbe sein kann. Das es nicht immer strahlendes Blau braucht um wirklich zu überzeugen.
Vielleicht gehört auch das zum ankommen, zur erwachsen sein und werden.
Dinge so annehmen wir sie sind und auch wenn es Nicht immer die Guten sind.
Letztendlich wird es dann doch gut. Auch wenn das einfach etwas mehr Geduld braucht und Zuversicht.

Ich wünsche euch, wo immer ihr seid,eben diese Geduld und den Blick auf das wahre gute einfache Grau das sich einem nicht erklären muss. Dem man sich nicht erklären muss, das einfach nur da ist... in Ruhe .
Alles Liebe Martina