Montag, 16. Juli 2018

Leben in der Sanduhr

Es ist Sommer geworden auf Langeoog. Ein wunderschöner sonniger warmer Sommer der unserer Natur in seiner Schönheit und Regenlosigkeit einiges abverlangt. 
Ich genieße die Wege, mit dem Rock auf dem Rad zur Arbeit oder zum Strand. Zweiteres viel zu selten, doch hier ist ja überall irgendwie Sand und Sommer und der Geschmack von Meer.
Die Tage gleichen sich in ihrer Fülle an Arbeit, an Gästen, an Sonne und sonnenbrauner Haut.

Jeden Morgen nachdem ich die Ladentür aufgeschlossen habe, fege ich den Sand vor die Tür. 
Der Sand der hier so allgegenwärtig ist. Genau der Sand, den viele liebe Menschen mit Goldschmiedekursen und Anfragen, Aufträgen und Wünschen in meinem Laden getragen haben. 
Es ist ein ewiges Spiel. Der Sand vom Strand landet in meinem Laden... und ich fege ihn vor die Tür. Der Wind trägt ihn zurück zum Strand. Das Prinzip einer Sanduhr, einer ziemlich großen Sanduhr. 

Der Lauf der Zeit ist hier auf Langeoog  oftmals viel greifbarer und offensichtlicher als es mir je an einem anderen Ort aufgefallen wäre. Er wird vom Takt der Natur bestimmt.

Zeit ist hier nicht die, die nicht reicht oder diejenige die immer zu kurz ist. Zeit ist hier die Anzahl der Urlaubstage die Menschen hier bei uns verbringen. 

Ich frage mich oft, was bleibt von uns wenn unsere Zeit hier um ist? Ist es ein Fußabdruck am Strand oder der Ehering der ein halbes Leben mit einem bestritten hat?  Ein Foto von einem Sommerurlaub? 

Sind es Dinge oder sind es feine Fäden der Liebe, die am Ende des Tages eine Erinnerung hinterlassen. 
Wir alle möchten, daß etwas Positives von uns bleibt.  Etwas einzigartiges und ein Gefühl, ein Gedanke, angefüllt ist mit Liebe und Gutem. 

Wenn man sich die Verschmutzung der Meere, die Hinterlassenschaften von Atomkraftwerken und Tagebau ansieht, kann man daran zweifeln, dass wir Menschen etwas Gutes hinterlassen. 
Doch dann steht eine Frau bei mir im Laden, legt mir still und leise den Ehering ihres Mannes auf den Tisch.  Sie möchte ihn Tragen um einen Teil ihres Mannes sichtbar bei sich zu haben.

Es rührt mich zutiefst. Dieses Gefühl jemanden bei sich haben zu wollen. Weil er einem Gut tut weil man voller Liebe an ihn denkt, weil er einem durch den Tag hilft… weil man liebt.

… und so fängt es im Kleinen an, dass wir winzige Dinge, nicht größer wie Sandkörner bewegen, zu guten Taten werden lassen. Ein Lächeln, eine Umarmung und es zu etwas großem wächst. 

Mein Sand im Laden wird eine Düne,  diese schützt die Insel. Was bleibt bestimmen wir selbst. 

Wir selbst tragen den Sand in uns den wir verteilen und zu Dünen werden lassen. Ob gut oder schlecht bestimmen wir selbst. 

Ich wünsche euch eine wundervolle Zeit, feinen Sand den ihr unter euren Füssen spürt und eine Hand die eure hält. 

Alles Liebe Martina 










Kommentare:

  1. Wunderschön geschrieben... ich hab Pipi in den Augen.... Danke für Deine schönen Worte, Du könntest auch noch ein Buch schreiben.
    Herzliche Grüße aus Segeberg, Ich trage jeden Tag ein Stück Inselgoldschmiede bei mir und freu mich immer wieder über meinen schönen Anleitung, herzlichst Daniela

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    1. Liebe Martina, beim Lesen deiner Worte sehnt man sich nach Sand und Meer und Wind und Weite.
      Traurig habe ich heute erst feststellen müssen, dass dein wunderbarer Laden und du nun auf Langeog sind. Vielleicht kommen wir dich mal besuchen, wünschen dir aber bis dahin viele schöne Tage in der Heimat.
      Alles Liebe

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